Sanierung der ehemaligen Gerichtsmedizin, Berlin


Uni, aber mit Geschichte

Der Umbau und die Nutzbarmachung des historischen Gebäudeensembles standen im Spannungsfeld zwischen seiner baukulturellen und sozialhistorischen Bedeutung. Zurückhaltende Eingriffe transformierten das historische Raumgefüge in die Nutzungsanforderungen der Gegenwart.
Um das als Königliches Leichenschauhaus 1886 erbaute und in den Folgejahren erweiterte Gebäudeensemble wieder zum Campus und zur Hannoverschen Straße zu öffnen, wurde die straßenseitige Grundstücksmauer axialsymmetrisch aufgebrochen und durch eine Einzäunung ersetzt, die das ehedem vorhandene Motiv des Ehrenhofes aus der Entstehungszeit wieder erlebbar macht.
Der Mitteltrakt erhielt mit der Reaktivierung seines historischen Zugangs zu den Leichenschauplätzen seine ursprüngliche Bedeutung wieder. Die jetzt komplett leergeräumte Halle nimmt die Besucher auf und verteilt sie in die unterschiedlichen Nutzungsbereiche im Haus, hier können aber auch Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden.
Bei der Konzeption der Maßnahmen zur Herstellung von geeigneten Räumen für Forschung und Verwaltung stellte die Überwindung der Differenzen zum bestehenden Raumangebot die größte Herausforderung dar.

Das im Mitteltrakt des Gesamtensembles untergebrachte ehemalige Leichenschauhaus, die spätere Pathologie der Charité, folgte einer sehr funktionsorientierten räumlichen Konzeption: Anliefern, Lagern, Säubern, Herrichten, Präparieren, Ausstellen, Aussegnung, Abtransport, Kühlung und Heizung stellten die Hauptnutzungen dar. Die angegliederten polizeilich genutzten Räume waren im Ost- und Westflügel untergebracht.
Die aus der Aufgabenstellung abgeleiteten Hauptmaßnahmen waren die Nutzbarmachung der Kellerräume, die Zusammenfassung der Funktions- und Besucherbereiche des ehemaligen Schaubereiches zu einer multifunktional nutzbaren Eingangshalle, die Einordnung von Seminar-, Büro- und Arbeitsräumen im Erd- und im Obergeschoß. Zusätzlich stand die Nutzbarmachung der ehemaligen Kapelle im Mittelpunkt der Maßnahme. Die Sicherung der Substanz (Einordnung von Zugbändern), Bewahrung von bauzeitlichen Strukturen, Oberflächen und Bemalungen standen im besonderen Fokus des gesamten Umbauprozesses, der in engster Abstimmung und unter Beteiligung der Denkmalschutzbehörde durchgeführt wurde.
Die Hüllensanierung erfolgte ebenfalls unter strengen Auflagen der Denkmalschutzbehörde und hatte die Beseitigung der immer noch vorhandenen Kriegsschäden an Klinkerflächen, Natursteinkonstruktionen und Dachbereichen zum Gegenstand. Die in großen Teilen originalen Fensterelemente wurden aufgearbeitet und zum Teil mit neuen Konstruktionen ergänzt. Wenige neue Fensteröffnungen wurden in Materialwahl und Duktus klar als Elemente der Gegenwart gestaltet.

Projekt Sanierung der ehemaligen Gerichtsmedizin, Berlin
Ort Berlin, Mitte
Zeitraum 09/2018 - 06/2021
Auftraggeber:in Humboldt Universität zu Berlin
Projektumfang Ideenwettbewerb in konkurrierendem Verfahren, 1. Platz, Sanierung und Ausbau des Mitteltraktes der ehemaligen Gerichtsmedizin
Leistungsumfang Hochbau LP1-9
Bruttogrundfläche 1.408 qm
Besonderheiten Einzeldenkmal, Baujahr 1876 ff
Kategorie/n Architektur Bildung & Soziales