Planen und bauen für sozial benachteiligte Menschen ist für uns eine besondere Herausforderung. Mit qualitätvoller Architektur fördern wir die Wertschätzung sowie das positive Selbstverständnis der Nutzer:innen und Besucher:innen dieser Einrichtung.
Dem gewonnenen VgV-Verfahren für die dringend notwendige Grundsanierung ging eine Machbarkeitsstudie voraus, welche die Potentiale der vorhandenen Baustruktur auf die Möglichkeiten der dauerhaften Umnutzung prüfte. Die Einrichtung liegt am Rand der Lübbenauer Neustadt, einem Neubaugebiet, das fast vollständig von Zeilenbauten geprägt ist und nur wenige Sonderbausteine aufweist. Die in Cottbuser Leichtbauweise errichtete ehemalige Kita sitzt als Typenbau mittig auf dem Grundstück. Adresse und Empfang für Besucher und Bedürftige können nur über die Grundkonfiguration der beiden Hauptbaukörper und den eingeschossigen Verbinder erzeugt werden. Die Einrichtung nimmt unter anderem das Nachtasyl für Wohnsitzlose, einen Bereich für Kurzzeitwohnen, einen Sozialdienstleister, eine Möbelkammer, die Schuldenberatung sowie die kostenlose Essenausgabe auf. Um die notwendigen Standards für die kommunalen und freien Träger zu erfüllen, musste der Typenbau für diesen Funktionsmix komplett umgebaut werden. Auch durch die Vielfalt der Nutzungen begründet, gibt es keine Adresse im eigentlichen Sinn. Die Einrichtungen können meist direkt angelaufen werden, was wiederum eine Vielzahl von Ein- und Ausgängen erfordert. Ruhender Verkehr ist komplett auf der Südseite angesiedelt, von der Dr.-Albert-Schweizer-Straße, aber auch von Osten über die Rudolf-Breitscheid-Straße erschließen die Liefer-, Mitarbeiter- sowie Besucherfahrzeuge das Grundstück. Der nördliche Innenhof bietet qualifizierten Aufenthalt für die Erholung und die Pausengestaltung des Personals.
Verbunden mit zum Teil erheblichen Eingriffen ins Tragwerk und der Öffnung von Decken über zwei Geschosse wurden Treppen und Aufzugsanlagen integriert, die Rettungswegesituation wurde angepasst und optimiert. Die von kommunalen und sozialen Trägern benötigten Räume wurden entlang der vorhandenen Mittelgänge unter funktionalen Gesichtspunkten neu geordnet. Die sorgsam gestaltete vorgehängte und hinterlüftete Fassade unterbindet die Assoziation mit der ehemaligen Nutzung (als Kita) durch die Einführung eines Lochfassadensystems mit integrierter Verschattung. Der nach Süden orientierte überdachte Vorbereich dient als Aufenthaltsbereich, Verschattung und gleichzeitig als zweiter Rettungsweg für die Obergeschosse beider Gebäudeflügel. Bei der energetischen Sanierung der Hülle stand die Herstellung des winterlichen Wärmeschutzes mit Hilfe des Einsatzes von regenerativer Energie durch den Einsatz von Fernwärme in Vordergrund. Insgesamt stellt dieser Umbau auch die Flexibilität und die Belastbarkeit vor allem in Bezug auf Nutzungsänderung für diesen Plattenbautyp unter Beweis. Es ist mit wenigen Mitteln gelungen, dem Typengebäude eine spezifische und nutzungsgerechte Ausstrahlung zu geben.
| Projekt | Sozialstation Lübbenau |
|---|---|
| Ort | Lübbenau / Salzmann |
| Zeitraum | 09/2018 - 12/2020 |
| Auftraggeber:in | Stadt Lübbenau |
| Leistungsumfang | LP1-9 |
| Bruttogrundfläche | 1.850 qm |
| Nutzungsflächen | 1.260 qm |
| Kategorie/n | Bildung & Soziales Architektur |