#36 Anett Münnich

WHITE LINES

Mit dem aufmerksamen Blick auf die Beziehung von Mensch und Natur beobachtet und analysiert sie Ihre Umwelt und die Auswirkungen der zivilisatorischen Eingriffe und klimatischen Veränderungen. Vor diesem Hintergrund setzt sie in ihren Arbeiten den Fokus auf die Schönheit und Einmaligkeit der Natur, auf deren Bedeutung für die Existenz des Menschen und auch darauf, welche Folgen Ignoranz und Fahrlässigkeit haben können. Die Künstlerin spielt mit diesem Erinnerungsvermögen, mit Vergangenheit und dem unwillkürlichen Vergleich mit der Jetzt-Zeit. Auf diese Weise ist sie versucht, den Betrachter zu animieren, das eigene Tun zu hinterfragen. Ja sie wagt auch immer wieder den futuristischen Blick in eine mögliche „Zeit danach" und visualisiert für den Außenstehenden ihre Gedankenexperimente.

Die geschnittene Linie hat im künstlerischen Werk von Anett Münnich inzwischen einen festen Platz eingenommen.
Papierschnitt in Kombination mit Malerei, Zeichnung oder Druck sind in vielen Ihrer Arbeiten zu finden, so zum Beispiel in Serien zu Lausitzer Uferzonen und Brandenburger Flurstücken, aber auch in Arbeiten zum norddeutschen Wattenmeer, zur Wüste Gobi und zu Korallenriffen. Die Künstlerin greift Formen und Linien auf, die sie in der Natur entdeckt, und setzt diese in ihren filigranen Geflechten in neuer Anordnung zusam- men.
Der Betrachter ist geneigt, zu glauben, es würden technische Hilfsmittel für den Schnitt dieser feinen Linien verwendet. Tatsächlich nutzt Anett Münnich nur ihr Schnittmesser und scheidet die feinen Liniengeflechte in mühsamer Handarbeit aus dem Papier. Stück für Stück entwickelt sie so ihre geschnittenen Bildkompositionen.
Neu sind ihre großen über zwei Meter langen freihängenden Papierbah- nen,
mit denen sie dem Schnitt eine ganz besondere Wirkung verschafft.